Ein Anzeigeverhalten im Hundetraining muss vorab gut trainiert werden, damit es verlässlich auslösbar und gut erkennbar ist. Das ist für eine fehlerfreie Verknüpfung einer Unterscheidungsaufgabe unerlässlich. Eine Ausnahme hierzu sind Anzeigeverhalten, die gelockt werden können.

Aber wozu dient ein Anzeigeverhalten im Hundetraining überhaupt?

Ein Anzeigeverhalten im Hundetraining ist ein Verhalten, das der Hund zeigt, um uns etwas mitzuteilen.

Das, was der Hund uns mitteilen soll, üben wir z.B. parallel zum Anzeigeverhalten. Verknüpft werden die beiden Dinge, wenn jedes für sich funktioniert. Zum Beispiel:

  • Ein Diabetikerwarnhund soll uns zeigen, wenn der Diabetiker eine gefährliche Unterzuckerung hat.
    Hierzu kann er z.B. am Bein kratzen → das wäre das Anzeigeverhalten
    Siehe hier im Video, wo ich das Kratzen bei Nellie und Jimmy gleichzeitig mit dem Wortsignal “BUDDELN” auslöse: https://youtu.be/TNxYQDUhCSg
  • Ein Personenspürhund oder ein Fährtenhund soll uns Gegenstände zeigen, die eine (vermisste) Person unterwegs verloren hat.
    Hierzu legt er sich vor diesen Gegenstand hin → Anzeigeverhalten
  • Ein Geldspürhund soll uns zeigen, wo Geld verloren/versteckt ist (am Zoll oder wenn ein misstrauischer Mensch verstorben ist).
    Hierzu „klebt“ der Hund seine Nase an den Fundort oder fixiert den Fundort mit dem Blick, wenn er außerhalb seiner Reichweite ist → Anzeigeverhalten
    Hier ein Video, wo man Nellie’s Nasentarget beim Geldfinden sieht: https://youtu.be/Ut9lr6VKQLE
  • Ein Familienhund lernt zur intelligenten Beschäftigung Unterscheidungsaufgaben oder Konzepte, z.B. „zeig das Größte“, „zeig das Gleiche“, „zeig das Blaue“, „zeig das Linke“ etc.
    Hierzu klebt er seine Nase an den richtigen Gegenstand (Nasentarget – „Pattexnase“) oder legt sich davor hin etc. → Anzeigeverhalten
    Hier im Video übt Adrian Nasentarget und Quinny zeigt den größeren Gegenstand durch Hinlegen an: https://youtu.be/0chPzAEC_fs
  • U.s.w.

Das Anzeigeverhalten trainieren und unter Signal stellen

Damit das Anzeigeverhalten mit der Trainingsaufgabe rasch und möglichst fehlerfrei verknüpft werden kann, muss es verlässlich abrufbar sein.

Das kann bei bestimmten Verhalten durch einfaches „in Position locken“ passieren:
Nimmt man z.B. als Anzeige das „Liegen vor einem Gegenstand“, ist die Übung relativ einfach. Man ist anfangs nahe am richtigen Gegenstand, markert, wenn der Hund direkt vor dem gewünschten Gegenstand ist und hält zur Belohnung die Futterhand direkt am Boden an den Zielgegenstand – sobald der Hund sich hinlegt, öffnet man die Faust und er darf fressen.

Andere Verhalten, wie die „Pattexnase“ (das Nasentarget), kann man innerhalb der Aufgabe nicht oder nur sehr beschränkt locken.

Daher trainiert man zunächst das Nasentarget per se und setzt es unter ein Wortsignal (ehemals „Kommando“ genannt). Bei mir heißt das Signal dazu „SHOW“.

Wenn der Hund dann in einer Aufgabe z.B. eine Entscheidung zwischen 2 Gegenständen treffen soll, wartet man, bis er mit der Nase am Zielgegenstand ist und gibt das Signal „SHOW“. Nach dem geglückten Anzeigeverhalten wird belohnt.

Das Signalwort „SHOW“ kann hier als sekundärer Verstärker (wie ein Marker) dienen, wenn man es für den Hund sehr positiv (belohnungsbasiert und freundlich) aufgebaut hat.

Das „automatisierte“ Anzeigeverhalten im Hundetraining

Das nächste Ziel ist dann, dass der Hund die Anzeige ja selbständig (ohne Marker oder Signalwort) ausführt, um uns seine Antwort auf eine ihm gestellte Aufgabe mitzuteilen.

Das erreicht man durch Wiederholung, also Üben, Üben, Üben – der Hund wird immer sicherer und wird irgendwann beginnen, das Anzeigeverhalten vorweg zu nehmen (bevor wir markern oder das Signal geben können).

Das kann man gezielt testen, indem man nach einer gewissen Anzahl an Wiederholungen einfach mal etwas länger mit dem Marker oder dem Signalwort wartet.
Zeigt der Hund das Anzeigeverhalten im Hundetraining dann selbständig korrekt: perfekt!
Zeigt er es noch nicht, geht man wieder einen Schritt zurück und übt weiter, bis das Verhalten prompt und richtig gezeigt werden kann.

Generalisierung

Bei unseren Familienhunden und dem Anzeigeverhalten im Hundetraining zu unserem Privatvergnügen (z.B. in Unterscheidungsaufgaben oder im Konzepttraining) ist sie nicht so enorm wichtig – die Generalisierung!

Bei Assistenzhunden, Personenspürhunden oder Diensthunden sehr wohl!

D.h.: Sobald der Hund die Aufgabe prinzipiell verstanden hat, muss sie noch generalisiert werden. Und zwar ZUMINDEST auf alles, was den Hund während seines Jobs erwarten wird!

Aber das ist eine andere Geschichte 🙂 – die bestimmt auch irgendwann kommen wird!

Fazit

Für viele Bereiche sind Anzeigeverhalten im Hundetraining unerlässlich. Sie werden überall eingesetzt, wo der Hund uns entweder eine Entscheidung mitteilen soll oder dass er etwas gefunden hat.

 

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