Heute geht’s nochmal im Detail um “soziales Lernen” – eine Lernmethode, die als “Do-as-I-do” durch Claudia Fugazza und ihre gezielte Forschung zu diesem Thema bekannt wurde.

 

Was genau ist “soziales Lernen” eigentlich?

Soziales Lernen ist definiert als das Erwerben neuer Informationen durch die Beobachtung anderer Individuen.

Umgelegt auf unsere Hunde bedeutet das: Der Mensch (oder auch ein anderer Hund etc.) zeigt etwas vor – der Hund soll es nachmachen. Startsignal für das “Nachmachen” ist ein generalisiertes Signal z.B. COPY.

 

Die Voraussetzungen

Am Beginn des Trainings steht zunächst mal das Erlernen bzw. Beherrschen verschiedener Tricks.

Dazu eignet sich im Prinzip jedes Verhalten, das der HUND ALLEINE AUSFÜHREN kann UND das der MENSCH gut VOREZEIGEN kann.

Subjektiv empfinde ich das Erlernen des Nachahmens durch den Hund einfacher, wenn man mit Objekten arbeitet, wie ihr es in diesem VIDEO von Niki sehen könnt:

 

Mit Nellie habe ich mehr “Körperbewegungen”  für das Nachahmen vortrainiert, wie z.B. “DREH DICH”, “WINKEN”, “MÄNNCHEN”, “PLATZ”, “PFOTEN KREUZEN”. Ein Video dazu war im letzten Newsletter zu sehen.

 

Die Auswahl der Tricks für den Generalisierungsprozess des “Mach’s nach”-Signals

Worauf man im Training achten sollte, ist, dass man Verhalten wählt, die sowohl der Mensch als auch das Tier ohne zu große körperliche Belastung ausführen können.

Das beginnt z.B. damit, dass man auf seinen eigenen Gesundheitszustand achtet und sich z.B. fragt: “Kann ich mich häufig hinknien, oder bekomme ich davon Schmerzen?”

Und selbstverständlich geht es auch um den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden des Hunde.
Kann mein Hund häufig “Männchen machen” oder lässt seine Fitness bzw. sein Körperbau das nicht ohne Schmerzen oder Folgeerscheinungen zu?
Ist mein Hund schwindelfrei und kann ich mit ihm problemlos das “Drehen um die eigene Achse” trainieren?

Das mag jetzt “übertrieben” klingen, aber seit ich mich in einem Trainerspiel mehrfach hintereinander drehen musste, übe ich Drehbewegungen mit dem Hund nur in sehr kurzen Trainingseinheiten, denn mir ist in kürzester Zeit schlecht geworden …!

Es lohnt sich also – auch im Sinne unserer Hunde – die Übungen immer auch selbst auszuprobieren, insbesondere, wenn sie häufig wiederholt werden müssen.

 

Die Vor- und Nachteile von Körperbewegungen bzw. Tricks mit Objekten

Wie oben erwähnt, fand ich es einfacher für den Hund, mit objektbezogenen Aufgaben zu starten, als mit Körperbewegungen.

Der Grund ist, dass das Objekt an sich für den Hund auch schon wie ein Signal wirkt. Wenn der Hund gelernt hat, dass man

  • um Pylonen 8er macht
  • Blumentöpfe umrundet
  • einen Buzzer antippt
  • einen Würfel schubst
  • sich auf eine Matte stellt
  • etc.

reicht das Objekt als Information im Prinzip schon aus, um dem Hund die Aufgabe “zu verraten”.

Das kann anfangs ein Vorteil sein.

Es könnte sich aber später auch als Nachteil entpuppen! Denn letztlich ist es das Ziel, mit den Vorübungen ein “MACH NACH”-Signal zu generalisieren.

Das bedeutet: “Egal, was da für ein Gegenstand steht und was du früher damit gelernt hast: JETZT mach bitte das nach, was ich gerade mit oder an diesem Gegenstand vorgezeigt habe!”
Disser Schritt kann manchen Hunden dann schwerer fallen, als wenn sie sofort lernen, “nur” die Körperbewegung zu sehen und diese nachzuahmen.

 

Do-as-I-do als Konzept verstehen

Soziales Lernen per se ist nichts Ungewöhnliches. In der Natur schauen sich (vermutlich) Individuen aller Arten Dinge von Ihresgleichen – und vielleicht sogar artübergreifend – ab.

Was wir Menschen mit diesem Training bezwecken ist, dass wir das Nachahmen “auslösbar” machen. Wir möchten unserem Tier sehr gerne ein generalisiertes Signal, wie COPY o.ä. verständlich machen und es gezielt einsetzen, um neue Verhalten rasch vermitteln zu können.

Das kann gelingen, wenn man ausreichend viele Verhalten mit dem generalisierten “COPY”-Signal verknüpft. Zwischendurch kann man immer mal eine Evaluierung wagen, um zu sehen, was der Hund bisher verstanden hat.

Hier seht ihr noch ein VIDEO von Niki, wo wir einerseits bekannte Verhalten an neuen Gegenständen abgefragt haben.
Andererseits haben wir auch neue, bisher nicht trainierte Verhalten (überspringen und anstupsen) ein und des selben neuen Gegenstandes getestet.
[Anm.: Anstupsen hatten wir nicht eigens trainiert – was Niki konnte, war ein stationäres Nasentarget.]

 

Wer Lust hat, derartige Aufgaben mit seinem Hund zu erlernen, kann noch in den neuen Onlinekurs dazu kommen – Start zum Christkind am 24.12. – Für Infos: Bild anklicken 🙂