Für einen Familienhund mag Exaktheit im Hundetraining irrelevant sein – auch wenn ich persönlich selbst im “Spaßbereich” gern erfolgreich arbeite.

Für Hunde mit Jobs ist es jedoch in bestimmten Bereichen enorm wichtig, dass sie ihre Aufgabe sehr exakt ausführen:
Sei es der Rettungshund, der in der Personensuche eingesetzt wird oder ein Assistenzhund, der seinem Menschen helfend zur Hand gehen soll, ein Therapiebegleithund im Einsatz oder auch “nur” ein Sporthund, der auf einem Turnier erfolgreich sein soll – überall ist es entscheidend, dass der Hund bestimmte Verhalten SEHR EXAKT ausführt!

Aber wie trainiert man Exaktheit eigentlich?

Was man häufig beobachtet …

Ein Assistenzhund soll einen Gegenstand in die Hand seines Menschen legen. Im Training läuft der Hund mit dem Gegenstand auf den Menschen zu. Der Mensch beginnt sich zu bücken und streckt womöglich die Hand entgegen. Und schon ist es passiert: der Hund lässt den Gegenstand schon 2m vor seinem Menschen fallen und läuft zu seinem Menschen um sich ein Leckerli abzuholen. Mensch und Hund sind frustriert – die Übung ist misslungen, der Hund sollte nicht belohnt werden …

Ein Allergikerwarnhund soll die Dose mit dem allergieauslösenden Lebensmittel durch stationäres Nasentarget anzeigen – er soll also seine Nase für ein paar Sekunden an exakt diese Dose halten. Im Training bewegt sich der Mensch mit der Belohnung zum Hund. Der dadurch gestörte Hund löst dann nicht nur das Anzeigeverhalten auf, bevor es eindeutig genug gewesen wäre, sondern wird auch im künftigen Training seinen Fokus auf den Menschen bzw. die Belohnung richten, anstatt auf die Dose mit dem Allergen.

Ein Hundesportler möchte exakte “Fußarbeit” trainieren. Um den Hund für richtiges Verhalten belohnen zu können, muss er seine eigene Position verändern. Dadurch verändert auch der Hund seine Ausrichtung, seine Körperspannung und seine Bewegung. Er erhält seine Belohnung also nicht für das exakte Fußgehen, sondern für ein nachgeschaltetes (unexaktes oder unerwünschtes) Verhalten.

Ein Therapiebegleithund soll sich setzen anstatt Menschen anzuspringen, wenn er von fremden Menschen angesprochen wird. Der Therapiehundeführer ist im Training bereits ein Stück von seinem Hund entfernt. Der Hund bekommt sein positives Feedback erst mit Verzögerung und ggf. sogar dafür, dass er ev. inzwischen schon wieder aufgestanden ist.

Ineffizientes Training

Resultat all dieser Herangehensweisen ist, dass sie das Training verlangsamen, da kein exaktes Feedback an den Trainingspartner Hund gegeben wird.

Das Training ist also ineffizient – die Exaktheit im Hundetraining ist nicht gegeben!

Bob Bailey, eine echte Größe im Tiertraining und Vorreiter im belohnungsbasierten Training, mit dem ich schon mehrfach die Ehre hatte, trainieren zu dürfen, formuliert es so:

“ANY trainer, using ANY method, can train ANY animal,
“JEDER Trainer kann mit JEDER Methode JEDES Tier trainieren,
to do ANY behaviour, given enough time!”
JEDES Verhalten zu zeigen, wenn er genug Zeit hat!”

Der Marker / der Klick ist bereits seit ca. 80 Jahren bekannt!

Um aus diesem Dilemma heraus zu kommen, kann man einen Klick/Marker oder ein Markerwort benützen. Mittlerweile ist der Klick/Marker ein gängiges Hilfsmittel im Training. Dabei gibt es das Wissen darum schon sehr lange!

Keller Breland und seine spätere Frau Marian Kruse (Breland) waren Schüler von B.F. Skinner, dem Vater der operanten Konditionierung. Sie verwendeten Klickertraining bereits im 2. Weltkrieg, um Tauben zu trainieren.

Das Training wurde rasch auf viele Tierarten erweitert – u.a. auch durch Bob Bailey, der Marian nach Keller Breland’s Tod heiratete.

Aber wie setzt man den Klicker/Marker effizient ein?

Die Nullposition

Wichtigste Voraussetzung für effizientes Markertraining ist die sogenannte Nullposition!

Die Nullposition ist nicht “fix definiert”. Sie kann und wird beim Training unterschiedlicher Verhalten immer mal anders sein. Unter Umständen variiert sie sogar während des Training eines Verhaltens je nach Trainingsschritt.

Als Nullposition bezeichnet man eine Art “Standardposition”, die der Mensch einnimmt, während der Hund das Zielverhalten ausführt.

Diese Nullposition soll vom Menschen eingehalten werden, bis der Hund das Trainingskriterium erfüllt hat. D.h. der Mensch soll sich entweder nicht oder “gleichförmig”  bzw. unabhängig vom Hund (der Übung und dem Trainingsstand angemessen) bewegen, bis der Hund das Kriterium, für das er belohnt werden soll, erreicht hat.

Eine Möglichkeit der Nullposition ist ruhiges Stehen (oder Sitzen) mit unveränderter Arm- und Handhaltung, wenn der Hund z.B. einen Gegenstand apportieren soll.
Eine andere Möglichkeit der Nullposition ist z.B. Gehen, wenn der Hund eine “Fuß-Übung” absolvieren soll.
Der Mensch kann sich auch unabhängig vom Hund bewegen, während dieser z.B. eine Suchaufgabe löst, wenn das Training bereits unter Ablenkung stattfinden kann.

Als Mensch die Nullposition zu halten gibt dem Hund – gerade im Training eines neuen Verhaltens – die Möglichkeit, seine Aufgabe ungestört und unbeeinflusst absolvieren zu können.

Auf den folgenden Fotos seht ihr verschiedene Varianten von Nullpositionen:

Was und wann soll geklickt bzw. gemarkert werden, um Exaktheit im Hundetraining zu erhalten?

Marker und Kriterium

Der Klick/Marker ist ein möglichst prägnanter, kurzer “Ton” (oder auch ein einsilbiges Wort, das nicht im allgemeinen Sprachgebrauch vorkommt).

Der Klick bzw. Marker soll EXAKT in dem Moment gegeben werden, wenn der Hund GENAU das TRAININGSKRITERIUM erfüllt. Man kann sich das vorstellen, wie einen Schnappschuss, der das Trainingskriterium, also das, wofür der Hund genau belohnt werden soll, fotografisch darstellt.
Dabei verändert sich der Zeitpunkt des Klicks/Markers idR auch mit dem Trainingsfortschritt, wie es später für das Apportieren noch genauer erklärt wird.

Der Klick/Marker “markiert” das erreichte Kriterium und kündigt dem Hund verlässlich die Belohnung an. Die Belohnung wird dabei auch “primärer Verstärker” genannt – folglich ist der Klick/Marker ein “sekundärer Verstärker”. Wenn der Hund den Klick/Marker als einen sekundären Verstärker verstanden hat, kann man ihn wie ein Skalpell einsetzen, mit dem man sich das Zielverhalten exakt und punktgenau herausarbeiten kann.

Der Ball muss nicht fliegen lernen, sondern das Huhn soll richtig picken lernen …

Als TOP-Trainerin habe ich auch zahlreiche Aufgaben mit Hühnern trainiert. Die Hühner sind dabei unsere Lehrmeister, denn sie sind geradlinig und v.a. sehr schnell!
Im unserem Hühnertraining gibt es eine Aufgabe, wo das Huhn einen Ping-Pong-Ball anpicken soll, der an einer Schnur an einem “Galgen” hängt (s.u.). Das Huhn soll dabei exakt so picken, dass der Ping-Pong-Ball an der Schnur einen “Überschlag” über den Querbalken des Galgen schafft – siehe nachfolgende Skizze:

Hierbei ist es entscheidend, das richtige Verhalten des Huhnes zu klicken/markern – nämlich das zentrierte und ausreichend starke Picken auf den Ping-Pong-Ball.
Wer erst klickt, wenn der Ball den “Überschlag” geschafft hat, ist deutlich zu spät dran! Wenn ich hier nochmal Bob Bailey zitieren darf: “Du sollst dem Huhn das richtige Picken beibringen und nicht dem Ball das Fliegen!”

Das EXAKTE Zielverhalten

Als Trainer muss man dafür daher ein gutes Auge haben, wann das Tier das erwünschte Zielverhalten richtig zeigt, um das auch klicken/markern zu können! Das impliziert auch, dass man eine exakte Vorstellung des Aussehens des Zielverhaltens haben muss!

Genauso ist es, wenn man dem Hund z.B. als Trick das Anstupsen eines Spielzeug-Autos beibringen möchte. Auch hier muss exakt der korrekte und erwünschte Stups geklickt werden und nicht das danach rollende Auto!

Beim Apportieren eines Gegenstandes in die Hand gibt es über diese Verhaltenskette hinweg unterschiedliche Klickpunkte – bei einem Rückwärtsaufbau z.B.

  • klickt man zu Beginn beim Öffnen des Maules, damit der Hund den Gegenstand aufnehmen kann
  • danach klickt man beim Schließen des Maules, damit der Hund den Gegenstand mit dem Maul umschließt
  • dann kommt der Klick nach ausgedehnter Zeit, damit der Hund den Gegenstand für längere Zeit hält
  • schließlich klickt man nachdem man die Hand präsentiert hat, damit der Hund den Gegenstand in die Hand abgibt
  • … und erst danach wird die Distanz des apportierenden Hundes zum Menschen aufgebaut …

Ein derartig schrittweises Vorgehen geht idR rasch und bringt nicht nur eine hohe Erfolgsrate, sondern auch eine hohe Exaktheit im Hundetraining! Man konzentriert sich als Mensch immer genau auf 1 Kriterium – das Erreichen dieses Kriteriums durch den Hund wird geklickt/gemarkert! Und die Tiere verstehen dieses Form der Kommunikation sehr rasch!

Markertraining ist für das Tier selbsterklärend!

Ich habe vor fast zweieinhalb Jahren 2 alte Kater adoptiert, weil mein Nachbar verstorben ist. Bizi, der Ältere der Beiden, lebte jahrelang nebenan, ohne uns Aufmerksamkeit zu schenken – tatsächlich war er sehr scheu und vorsichtig!

Nachdem Bizi ca. 1 Monat alleine im Nachbarhaus gelebt hatte und von den Söhnen unseres Nachbarn gefüttert worden war, begann ich, ihn zu besuchen (bevor er hier einzog). Es ist ein sehr eigenartiges Gefühl, in einem fremden Haus Zeit mit einem Kater zu verbringen – und es war langweilig.

Daher begann ich – aus Spaß – am zweiten(!) Tag mit Bizi zu trainieren. Ich stellte dabei mein Handy auf den Fußboden, um mitzufilmen. Bizi war damals schon alt (ca. 14 Jahre) und hatte noch nie in seinem Leben trainiert. Er kannte v.a. auch keinen Klick/Marker!

Bizi liebte und liebt es, den sog. “Milchtritt” auszuführen – er massiert damit alles Mögliche 🙂 Daher beschloss ich, seine linke “tretende” Vorderpfote zu einem Winken zu formen.
Dabei saß ich auf einem Fauteuil und klickte Bizi immer für Aktionen mit der linken Pfote (man sieht mich dabei leider nicht – nur meine Beine sind im Bild – aber ich mache “nichts”, sondern halte meine Nullposition ein). Ursprünglich wollte ich das Futter in die Schüssel geben, aber Bizi nahm es lieber aus meiner Hand.
Hier könnt ihr ein (leider sehr schlechtes) Video von diesem ersten Training sehen (Ton laut drehen, sonst hört man die Klicks nicht – mein “Geplaudere” ist zwar nett, aber nicht “trainingsrelevant” 😉 https://youtu.be/ryJ_7on3SwY 

Das alte Katerle verstand die Aufgabe innerhalb weniger Minuten!!! Obwohl er zuvor keine Ahnung von Training und vom Klicken/Markern hatte! So schnell kann Training gehen (und das, obwohl ihr anfangs sehen könnt, dass beinahe alle meine Klicks etwas zu spät kommen …)!

Fazit

Um Exaktheit im Hundetraining zu ermöglichen und mit seinem Hund möglichst rasch und fehlerfrei/fehlerarm trainieren zu können, muss man zunächst eine gute Vorstellung des erwarteten Zielverhaltens haben.

Mit einem kleinschrittigen Trainingsplan unter sukzessive schwieriger werdenden Kriterien ermöglicht man seinem Hund das rasche Erarbeiten des Zielverhaltens.

Durch den Klick/Marker gibt man dem Hund messerscharfe und punktgenaue Infos, welches Verhalten er zeigen soll.

Auch alte Tiere, wie mein Kater Bizi, verstehen Markertraining de facto SOFORT und arbeiten freudig mit, auch wenn sie zeitlebens noch nie trainiert wurden 🙂

Somit: ran an eure Tiere – und viel Spaß und Erfolg dabei!!!