Neben der – meist (zu unrecht) weniger beliebten – Grunderziehung, gibt es auch zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten für unsere Hunde.
Zu den bekannten Beschäftigungsformen zählen neben Hundesportarten, wie Agiltiy, auch Nasenarbeit (Fährte, Geruchsunterscheidung, etc.), Tricktraining u.v.m.

ABER: Es gibt noch viel Spannenderes für Hunde –  z.B. das Konzeptlernen!

 

Konzeptlernen – was ist das eigentlich?

In der Kognitionswissenschaft beschreibt ein Konzept etwas, das man in Kategorien oder Gruppierungen zusammenfassen kann.
Ein Konzept ist bereits eine sehr generalisierte, „abstrakte“ Aufgabe.

Beim Training von Konzepten lernt das Tier, ein gemeinsames Merkmal selbständig auf neue, unbekannte Aufgabenstellungen zu übertragen – z.B. lernt der Hund zunächst, immer z.B. den größten Blumentopf anzuzeigen. Setzt man ihm danach andere Gegenstände vor, die er noch nie zuvor gesehen hat, kann er – wenn er das Konzept „das Größte“ verstanden hat, auch dort selbständig den größten Gegenstand anzeigen.

In diesem Video könnt ihr sehen, dass Nellie das Konzept “das Größte” verstanden hat und auch auf neue, ihr völlig fremde Gegenstände übertragen kann.

Kursinfo: 8-Wochen-Online-Kurs: “Zeig das Größte”

 

Weitere Ideen für Konzepte

Adverben/Adjektive – “modifier cues”

Wie ihr gerade im Video gesehen habt, können Hunde also sehr wohl gut “abstrahieren”.
Für Nellie war diese Aufgabe gar kein Problem. Sie bekam völlig neue Gegenstände und Gegenstands-Sets vor die Nase gestellt und hat sehr zügig und flüssig immer den größten Gegenstand angezeigt, indem sie ihre Nase längere Zeit drauf/drüber hielt.

Genauso können Hunde natürlich auch andere Dimensionen, wie z.B. “das Kleinste” erlernen.

Weitere Adjektive und Adverben, die man Hunden beibringen kann sind z.B. verschiedene Farben (zumindest jene, die sie diskriminieren können – Hunde sind “rot-grün-blind” …) oder auch Relationen, wie z.B. linkes/rechts; vorne/hinten; oben/unten; in der Mitte.

Hierbei muss man unterscheiden, ob man dem Hund “lediglich” z.B. unterschiedliche Signale SPIN für “dreh dich nach links” oder TURN für “dreh dich nach rechts” beigebracht hat, oder tatsächlich das Konzept “links” und “rechts”.

Ersteres stellt eine immer gleichartige Übung dar – auch wenn man sie LINKS für “dreh dich nach links” nennen würde, ist es immer eine “Drehung”.

Zweiteres, also das Konzept “links/rechts” hingegen bedeutet, dass der Hund gelernt hat, links und rechts in unterschiedlichen Aufgaben selbständig anzuwenden – z.B.

  • geh auf die LINKE/RECHTE Decke
  • bring den LINKEN/RECHTEN Ball
  • stupse den LINKEN/RECHTEN Target mit der Nase an
  • tippe auf den LINKEN/RECHTEN Buzzer
  • dreh dich nach LIKS/RECHTS
  • etc.

 

Gleichartiges

Ein besonderes Konzept ist z.B. “das Gleiche”. Das nützt man etwa in der Suche durch Personenspürhunde – das wäre also ein sehr praxisnaher Einsatz.

Man kann dieses Konzept natürlich auch zur geistigen Auslastung des Hundes nützen. Mein Petzi konnte z.B. “Geruchsmemory“. Dazu habe ich gleichartige Tücher mit jeweils einem Geruch in Dosen gepackt. Nach einiger Zeit habe ich die Tücher ausgelegt. Einen der Gerüche bekam Petzi zum “Anriechen”. Direkt danach habe ich ihn apportieren geschickt und er sollte das Tuch bringen, das gleich wie sein “Startgeruch” roch.
Um Petzi in seiner Wahl nicht zu beeinflussen, habe ich ihm den Zielgeruch z.B. im Wohnzimmer präsentiert. Die verschieden riechenden Tücher lagen ums Eck in der Küche und er apportierte jenes Tuch, das den Zielgeruch trug, zu mir ins Wohnzimmer.

Auch mit Jimmy habe ich eine Form von “Bring das Gleiche” trainiert, aber nicht spezifisch auf Geruch, sondern mit ganz unterschiedlich aussehenden Gegenständen.

In diesem Video könnt ihr sehen, wie Jimmy diese Aufgabe gemeistert hat.

Kursinfo: 7-Wochen-Online-Kurs: “Bring das Gleiche”

 

Willensäußerungen

Man kann dem Hund sogar gezielt “Willensäußerungen” vermitteln, um ihn nach seinen Präferenzen zu fragen.

Hunde können z.B. lernen JA/NEIN zu sagen. Dazu lernen sie zunächst die entsprechenden Verhalten z.B. NICKEN / KOPF DREHEN. Hat man diese beiden Verhalten verlässlich unter Signal gesetzt, verknüpft man sie mit Dingen, von denen man sicher ist, dass der Hund sie MAG bzw. NICHT MAG.

Dadurch kann der Hund das Konzept “JA/NEIN” lernen und man kann ihm später Fragen stellen, deren Antwort man noch nicht kennt – der Hund wird mir danach sagen, ob er das mag oder eben nicht.

Mit Pferden hat man eine Studie gemacht, um sie zu fragen, ob ihnen WARM oder KALT ist – sprich ob sie eingedeckt werden möchten oder nicht. Dazu haben die Pferde gelernt, mit Symbolen zu kommunizieren. Danach wurden die Pferde bei unterschiedlichem Wetter gefragt. Die Symbole, die sie berührten, waren wetterabhängig und nicht zufällig. D.h. die Pferde wollten keine Decke, wenn das Wetter schön war. Sie entschieden sich aber für eine Decke, wenn das Wetter feucht, windig und kalt war.

 

Kritisch hinterfragen

Bei allem, was wir mit unseren Hunden trainieren und wo es auf deren eigene Entscheidung oder Willensäußerung ankommt, gilt: KRITISCH HINTERFRAGEN, was das Tier wirklich gelernt hat!
Speziell bei komplexen Aufgaben, wie dem Erlernen von ganzen Konzepten, muss man gut planen, sehr klar und eindeutig kommunizieren, seine eigene Körpersprache unter Kontrolle haben und immer wieder testen, was das Tier wirklich verstanden hat.

Hierzu empfehle ich den Blog-Artikel über den “Klugen Hans” nachzulesen, der zeigt, wie gut unsere Tiere uns Menschen beobachten und lesen können. Das Pferd Hans hatte mit seinem scheinbaren Können und Wissen eine ganze Wissenschaftskommission an der Nase herumgeführt.

 

Fazit

Konzeptlernen ist eine spannende Beschäftigungsvariante für Hunde – und zwar sowohl für heiße Sommertage als auch für graue Wintertage. Man braucht dazu kaum Platz und es gibt unendlich viele Aufgaben, die man trainieren kann.
Habt Spaß mit euren Hunden und erforscht, was sie alles leisten können!

 

Referenzen

Byosiere S-E: Relational concept learning in domestic dogs: Performance on a two-choice size discrimination task generalises to novel stimuli. Behav. Proc. (2017), 145: 93-101

Mejdell CM et al.: Horses can learn to use symbols to communicate their preferences. Appl. Anim.
Behav. Sci. (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.applanim.2016.07.014

 

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