Heute wollen wir uns mal mit der Basis des Trainings beschäftigen – es geht darum, welche grundsätzlichen Möglichkeiten wir haben, um neue Verhaltensweisen mit unseren Tieren zu trainieren.

Umweltgestaltung

Dazu wäre zunächst zu erwähnen, dass die Umweltgestaltung ein ganz wichtiger Grundstein im Training ist.

Neue Verhaltensweisen sollten immer in ruhiger und möglichst reizarmer Umgebung trainiert werden – ist es zu belebt, kann der Hund sich u.U. nicht ausreichend gut konzentrieren …

Zusätzlich ist es hilfreich, die Umgebung so zu gestalten, dass das erwünschte Zielverhalten möglichst gefördert wird. Es sollten also nicht unnötig Dinge herumstehen, die für das Training nicht gebraucht werden. Dadurch ist der Hund nicht verleitet, andere Verhaltensweisen als die gewünschte anzubieten.

Oft hilft es auch, den Raum an sich einzuschränken – z.B. mit umgelegten Sesseln oder sonstigen Barrieren. Oder – im Falle einer Ruheübung – könnte man auch den Ort, wo die Decke abgelegt wird, erhöhen (z.B. auf Paletten o.ä.), um dem Hund die Übung noch klarer zu vermitteln.

Über die Trainingszeit hinweg wird die Umwelt möglichst gezielt so verändert, dass der Hund das Verhalten letztlich überall, wo es nötig ist, zeigen kann. Er lernt also sukzessive mit allen erwartbaren Ablenkungen gut umgehen zu können und dennoch das Zielverhalten verlässlich zeigen zu können.

Aber welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, dem Hund ein neues Verhalten plausibel zu vermitteln?

Neue Verhaltensweisen trainieren durch Locken

Eine sehr einfache und effiziente Methode, mit dem Hund ein neues Verhalten zu trainieren ist das Locken. Das bedeutet, dass man den Hund mit einem Lockmittel wie z.B. Futter oder Spielzeug in das Zielverhalten bringt. Sobald der Hund das Zielverhalten auszuführen beginnt, bekommt er das “Lockmittel” – also z.B. das Leckerli.

Hier ein Video, wie man die Ruhedecke rasch durch Locken aufbauen kann: https://youtu.be/1CMgt8XZFZE

Wichtig beim Locken ist Folgendes:

  • Das Locken hat den Vorteil, dass man sehr rasch (idR sofort) das richtige Endverhalten herstellen kann – es ist somit eine sehr effiziente Möglichkeit im Training.
  • Ein Nachteil kann sein, dass manche Tiere vom Lockmittel (Futter oder Spielzeug) sehr abgelenkt sind und die Aufgabe gar nicht mitbekommen. Hier sollte man einen schwächeren Lockreiz wählen (also nicht das Superleckerli oder das Lieblingsspielzeug).
  • Das Locken soll außderm nur so kurz als möglich gemacht werden, d.h. das Lockmittel muss irgendwie abgebaut werden.
  • Nach ein paar Durchgängen sollte man zügig in den nächsten Trainingsschritt wechseln. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Hund das Verhalten nur in Gegenwart des Lockmittels ausführt, d.h. dass das Lockmittel (hier z.B. Futter in der Hand) zu einem Teil des Signals wird.

Man kann fast jedes neue Verhalten zunächst locken. Hier noch ein paar Fotos, wie man das Kinntarget, meiner Meinung nach eines der wichtigsten Targets, locken kann:

Zunächst wird die Handfläche, wo der Hund das Kinn auflegen soll, präsentiert – dann kommt die Futterhand an den Punkt, wo der Hund gut naschen kann, während er – zunächst zufällig – gleichzeitig sein Kinn auf die andere Hand ablegt.

Neue Verhaltensweisen trainieren durch Targettraining

Mit dem Kinntarget wären wir auch gleich im nächsten Kapitel angekommen: dem Targettraining.

Hier muss man unterscheiden, dass der Hund ein Target neu erlernt – wie oben beschrieben hat Niki das KINNTARGET durch LOCKEN erlernt.

Die nächsten Trainingsschritte waren dann:

  • Das Kinntarget wurde unter Signal gesetzt, sodass ich es jederzeit abrufen kann und der Hund es nach dem Signalwort KINN verlässlich ausführt.
  • Das Ablegen des Kinns wurde danach auch von der Handfläche auf einen Gegenstand (z.B.  eine Kiste) übertragen.

Dieses trainierte Target kann dann einerseits einfach so “verwendet werden”, z.B. im Kooperationstraining zur Körperpflege, beim Tierarzt oder beim Hundefrisör, wie hier im Video zu sehen: https://youtu.be/f6GCzXmsiXo

Oder aber: ich kann mithilfe eines bereits trainierten Targets auch ein neues Verhalten trainieren!

Hier habe ich z.B. mit Niki das bereits unter Signal abrufbare Kinntarget genützt, um ihm sehr schnell das stationäre Nasentarget auf Dauer begreiflich zu machen (der Hund soll längere Zeit seine Nase an einen Gegenstand halten). Das ist eine Aufgabe an der sich viele Menschen schon die Zähne ausgebissen haben, denn das Nasentarget kann man sehr viel schlechter locken, als z.B. das Kinntarget. Seht in diesem Video wie schnell man das Nasentarget über Kinntarget trainieren kann: https://youtu.be/2VI8O2Rux4Y

Zusätzlich könnt ihr in diesem Video auch eine Managementmaßnahme sehen – ich präsentiere zunächst nur den wesentlichen Teil des Nasentargets (den Rest blockiere ich mit meiner Faust).

Eine weitere Übung, die ich mit dem Niki über das Kinntarget aufgebaut habe, ist das ruhige Halten eines Gegenstandes. Auch das bereitet vielen Hundehaltern Kopfzerbrechen: Viele Hunde beginnen, den Gegenstand zu schütteln oder darauf herumzukauen, was nicht erwünscht ist.
Seht hier im Video, wie schnell Niki das ruhige Halten seines Lieblingsspielzeuges lernt: https://youtu.be/fSyfaDVHr3U

Fazit

Je nachdem, was ich mit meinem Hund gerne neu trainieren möchte, es gibt viele Wege, dem Hund die neue Aufgabe rasch und ohne Frust (für Mensch und Hund) verständlich zu vermitteln.

Freut euch auch auf die nächsten Beiträge, wo wir noch weitere Möglichkeiten des Trainings neuer Aufgaben besprechen werden 🙂