Auch heute wollen wir uns wieder mit der Basis des Trainings beschäftigen – es geht darum, welche grundsätzlichen Möglichkeiten wir haben, um neue Verhaltensweisen mit unseren Tieren zu trainieren.

Im Training neuer Verhaltensweisen ist zunächst immer die Umweltgestaltung entscheidend – in bekannter, reizarmer und ggf. adaptierter Umgebung kann das neue Zielverhalten optimal trainiert werden.

Im 1. Teil dieser Reihe haben wir uns mit dem “Locken” und mit dem “Targettraining” beschäftigt – zwei meiner Lieblingsmethoden, wenn ich etwas Neues trainieren möchte. Wer den Artikel verpasst hat, findet ihn hier:
https://online.artgerecht-wohlerzogen.dog/moeglichkeiten-neue-verhaltensweisen-zu-trainieren-teil-1-locken-und-targettraining/

Heute besprechen wir 2 Methoden, von denen eine – das Modellieren – sicher im Alltag oft verwendet wird, aber als Trainingsmethode gar nicht so bekannt ist. Die zweite Trainingsmethode – das (freie) Formen – ist zwar sicherlich bekannt, hat aber so ihre Tücken.

Neue Verhaltensweisen trainieren durch Modellieren (Modeling)

Was bedeutet Modellineren?

Ein Verhalten zu “modellieren” bedeutet nichts Anderes, als dass der Mensch den Hund durch “Manipulation” in eine bestimmt Position bringt. Klingt auf’s Erste etwas böse – muss und soll es nicht sein 🙂

Die meisten Menschen “modellieren” ein Verhalten im Alltag ihres Hundes – und zwar speziell in der feuchten Jahreszeit: nämlich beim Pfotenputzen. Dabei nehmen wir Menschen die Pfoten unseres Hundes in die Hand und wischen sie trocken.
Wahrscheinlich ist euch dann schon mal aufgefallen, dass euer Hund über die Jahre lernt, was gleich kommen wird – und folglich beginnen viele Hunde irgendwann die (nächste) Pfote bereits selbst zu heben, bevor wir noch unsere Hand dran haben.

Und genau das ist Modellieren: wir bringen den Hund aktiv in die erwünschte Position – der Hund bleibt anfangs passiv, kann aber lernen, z.B. auf Signal (Annäherung unserer Hand) bereits selbst aktiv zu werden.

Ist das dem Hund nicht unangenehm?

Dass wir den Hund “manipulieren”, also angreifen und einen Körperteil in eine erwünschte Position bringen, ist für viele Hunde gar nicht schön. Wenn wir hier nicht kleinschrittig arbeiten und auf die Körpersprache achten und optimaler Weise die Berührung auch punktgenau belohnen, kann es sein, dass der Hund Stressverhalten zeigt – z.B. dass er zu meiden beginnt oder erstarrt oder dass er ev. sogar Abwehrreaktionen wie Knurren, Schnappen oder Beißen zeigt.

Mit einem guten Blick und punktgenauer Belohnung muss es aber nicht gruselig für den Hund sein bzw. bleiben, sondern er kann sehr rasch mitarbeiten, indem er “aktiv” Ruhe hält. Punktgenaue Belohnung kommt anfangs SEHR RASCH, wenn wir uns dem Hund annähern oder ihn leicht berühren – dabei sollte der Hund immer noch Ruhe halten können.

Nach einiger Zeit wird unser Hund immer vertrauensvoller sein und sich berühren und “bewegen” lassen – schließlich belohnen wir ja auch jede Manipulation.

ACHTUNG: wenn dein Hund bereits schlechte Erfahrungen mit Berührungen gemacht hat, musst du sehr langsam starten und viele Zwischenschritte – vielleicht auch schon in großer Entfernung – machen, damit er sich dabei wohl fühlen kann.

Verhalten gezielt über Modellieren trainieren

Man kann das Modellieren auch gezielt zum Training neuer Verhaltensweisen einsetzen. Ein Verhalten, das man sehr gut über Modellieren trainieren kann ist z.B. das Winken oder Pfote geben.

Hierbei geht man z.B. folgendermaßen vor:

  • Die menschliche Hand nähert sich dem Bein des Hundes an – bei ruhigem Verhalten: Lob/Marker und Belohnung (L/M&B)
  • Die Hand berührt das Bein des Hundes – L/M&B
  • Die Hand hebt die Pfote des Hundes an (u.U. zunächst nur leicht und dann immer höher) – L/M&B
  • Und ab hier wird es spannend, denn hier liegt dann ev. die Schwierigkeit des Trainings durch Modellieren: man wiederholt das Hochheben der Pfote immer wieder, bis der Hund beginnt, die Pfote schon anzuheben, bevor die eigene Hand sie berührt. Das ist für manche Hunde ein schwieriger Schritt.
  • Elliot hat seine Pfote dann immer sehr weit gestreckt und irgendwo an meinem Körper “abgelegt”.
    Um daraus ein Winken zu machen, habe ich dann den Abstand zwischen uns noch vergrößert – dann hat es sofort geklappt.
  • Sobald der Hund das Zielverhalten zeigt, kann man noch ein Signal (ehemals Kommando genannt) einführen. Bei mir hat sich gleich die angebotene Hand als Signal “automatisch” mit entwickelt.

Hier seht ihr, wie ich mit Elliot, der damals 17 Wochen alt war, das Winken über Modellieren trainiert habe – für manche Verhaltensweise ist das eine sehr flotte Trainingsmethode:

 

Neue Verhaltensweisen trainieren durch (freies) Formen ([Free] Shaping)

Im Gegensatz zum Modellieren, wo wir den Hund berühren müssen und ihn sogar manuell in die Zielposition bringen, wird beim (freien) Formen so gut wie gar nicht mit dem Hund interagiert.

Beim Shapen lässt man das Tier möglichst selbständig herausfinden, was es tun soll. Dabei nützt man ebenfalls einen Marker (https://online.artgerecht-wohlerzogen.dog/exaktheit-im-hundetraining-der-klick-trick/), um dem Hund die Information zu geben, wann er es genau richtig macht.

Möchte man also das Winken über (freies) Formen trainieren, kann man z.B. wie folgt vorgehen:

  • Man nimmt sich vor, welche Pfote winken soll
  • Wann immer sich diese Pfote auch nur ansatzweise bewegt, markert man und belohnt danach
  • Über die Zeit bekommt der Hund den Marker nur noch, wenn er die Pfote immer etwas höher hebt
  • Dies steigert man die Höhe der Pfote so lange, bis die Pfote etwa auf Schulterhöhe angehoben wird.

Das Schöne am (freien) Formen ist, dass man seine eigene Beobachtungsgabe und seine Reaktionsfähigkeit ständig unter Beweis stellen muss – man muss rasch und punktgenau klicken, um zum Erfolg zu kommen.

Eine Schwäche des (freien) Formens ist z.B., dass man dem Tier kaum helfen kann und dass – wenn man als Mensch (noch) nicht gut genug trainieren kann, sein Tier sehr schnell in den Frust jagen kann, wenn die Erwartungen zu hoch sind.

Hier seht ihr nun ein paar Videos zum (freien) Formen – zunächst mal das Winken mit dem Maxi und danach das Winken mit Bizi – das waren die beiden Kater meines Nachbarn (ich habe beide Kater später übernommen, als mein Nachbar gestorben ist – der Maxi lebt leider auch nicht mehr, der Bizi ist noch bei mir).

Hier seht ihr die 1. Trainingssession von Maxi – sie hat in Summe 25 Minuten gedauert und ich hatte wenig zu klicken – zwischendurch ist Maxi sogar eingenickt – das Video ist teilweise geschnitten – es ist kein Standbild 😉

Also wie gesagt: wenn das Tier nicht weiß, was es tun soll und wenig Initiative hat, passiert mal lange nichts … Aber man muss deshalb nicht die Flinte ins Korn werfen – so lange das Tier dabei bleibt und versucht, die Aufgabe zu lösen, ist alles gut.

Hier seht ihr dann die 6. Trainingseinheit mit Maxi – das sieht doch schon ganz gut aus 🙂

Der Bizi war schon ein altes Tier, als sein Herrchen starb – davor hat er mich keines Blickes gewürdigt. Als ich mich dann mit ihm anfreundete, wurde er ein begeisterter Trainingspartner. Hier seht ihr Bizi am Tag 2 unseres Kennenlernens. Bizi wurde zuvor noch niemals trainiert, aber er hat extrem rasch verstanden, was ein Klick zu bedeuten hat. Bizi lernte innerhalb von ein paar Minuten auf Signal zu winken, wie ihr auf dem folgenden Video – 1. Trainingseinheit – sehen könnt (leider hab ich damals mein Handy nur auf dem Boden abgestellt – die Perspektive ist also schlecht …)

Also wie man deutlich sehen kann, kann auch das (freie) Formen eine rasche Trainingsmethode zum Erlernen eines neuen Verhaltens sein – auch, wenn das Tier schon älter ist und noch nie zuvor trainiert wurde.

Zum Schluss möchte ich euch noch ein Video zeigen, wo ich Elliot zum 1. Mal geformt habe. In unserem TopTrainer-Netzwerk stellen wir uns regelmäßig Trainingsaufgaben, die innerhalb einer bestimmten Zeit bearbeitet werden sollen. Kürzlich bekamen wir die Aufgabe, dem Hund BLUBBERN auf Signal beizubringen. Dafür hatten wir 1 Stunde Zeit für die Planung und Durchführung – Samstag mittags um 13 Uhr musste das Video eingereicht werden. Mit Elliot habe ich mir als Ziel gesetzt, das Blubbern über Formen zu trainieren – wie Elliot das BLUBBERN gelernt hat, seht ihr in diesem Video:

Mit Nellie hatte ich diese Aufgabe bereits mal über Target-Training absolviert (vgl. Artikel https://online.artgerecht-wohlerzogen.dog/moeglichkeiten-neue-verhaltensweisen-zu-trainieren-teil-1-locken-und-targettraining/) – hier könnt ihr – als kurzen Exkurs – sehen, wie man das Blubbern über ein Nasentarget trainieren kann:

Fazit

Es gibt viele Wege, seinem Hund die neue Aufgabe rasch und ohne Frust (für Mensch und Hund) verständlich zu vermitteln.

Freut euch auch auf die nächsten Beiträge, wo wir noch weitere Möglichkeiten des Trainings neuer Aufgaben besprechen werden, wie z.B. das Einfangen und die Mimikry (das Nachahmen) 🙂

Zum Schluss noch eine Ankündigung für einen spannenden gratis Hunde-Onlinekongress

Vom 13.-18. November 2020 findet wieder der Hunde-Onlinekongress statt.

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